Impfungen
Allgemeines:
Das Ziel von Impfungen ist es, frühzeitig einen dauerhaften Impfschutz gegen Infektionskrankheiten zu erzielen. Der Organismus soll durch diese aktive Immunisierung körpereigene Schutzstoffe (Antikörper) bilden, entsprechend einer durchgemachten Erkrankung.
Aufgrund einer zunehmenden generellen Diskussion über Pro und Contra von Impfungen, vor allem hinsichtlich Komplikationen und Nebenwirkungen, darf nicht vergessen werden, dass diese Infektionserkrankungen sehr gefährlich verlaufen können. Hierfür seien nur zwei Beispiele aufgeführt:
- Als Folge der HiB-Impfung sind die früher durch dieses Bakterium verursachte bakterielle Kehlkopfschwellung (mit akuter Erstickungsgefahr) und eitrige Hirnhautentzündung äußerst selten geworden.
- An den Folgen einer Masernerkrankung sterben weltweit immer noch mindestens 350.000 Menschen pro Jahr.
Insgesamt sollten die Vorteile einer Impfung gegenüber den möglichen Komplikationen und Nebenwirkungen genau abgewogen werden. Letztendlich muss die Entscheidung für oder gegen eine Impfung von den Eltern alleine getroffen werden. Voraussetzung für diese verantwortungsvolle Entscheidung ist aber umfassendes Wissen und Aufklärung, welches unser besonderes Anliegen ist.
Die Impfungen sollten entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erfolgen.
Impfreaktionen
Im nachfolgenden sollen kurz mögliche Nebenwirkungen von Impfungen aufgeführt werden. Die Nebenwirkungen können je nach Impfung variieren:
- Unruhezustände
- Fieber über 39 Grad Celsius
- Grippeähnliche Symptomatik
- Reizerscheinungen an der Impfstelle (Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit, selten eine - meist sich selbst zurückbildende - Knotenbildung)
- Allergische Reaktionen
- Abszeßbildung an der Einstichstelle
- Abgeschwächte Krankheitssymptome entsprechend der Erkrankung, gegen die geimpft wurde
- Sehr selten sind Erkrankungen des Nervensystems, Blutbildveränderungen, Gelenkerkrankungen oder andere Komplikationen
Insgesamt treten diese Nebenwirkungen im Verhältnis zur Anzahl der geimpften Kinder selten (= statistisches Auftreten in einem Fall pro Tausend bis Zehntausend) oder sehr selten (= statistisches Auftreten in einem Fall pro Zehntausend oder seltener) auf.
Die Medikamentenbegleitzettel der einzelnen Impfstoffe haben wir für Sie zusammengestellt, wobei allerdings anzumerken ist, dass aufgrund der gesetzlichen Vorschriften alle bisher aufgetreten Nebenwirkungen aufgelistet sind (was Sie nicht verunsichern sollte).
Für weitere Informationen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung
Aktuelle Impfempfehlungen:
Die aktuellen Impfempfehlungen entnehmen Sie bitte der Website der Ständigen Impfkommission (STIKO).
Besonderheiten:
Kombinationsimpfstoffe
Meist werden heute sogenannte Kombinationsimpfstoffe (2fach- bis 6fach-Impfstoffe) eingesetzt. Nach bisherigen Erkenntnissen sind dadurch keine Nachteile zu erwarten.
Impfabstände / Dauer der Schutzwirkung
Hinsichtlich der Impfabstände sollte versucht werden, sich an das von der STIKO empfohlene Vorgehen zu halten. Allerdings kann dies bisweilen schwierig sein, insbesondere aufgrund von Infekten in den Wintermonaten. Bei den sogenannten Totimpfstoffen (= abgetötete Krankheitserreger, Toxine, etc.) ist ein zeitlicher Abstand zu anderen Impfungen nicht unbedingt notwendig, sogenannte Lebendimpfungen (abgeschwächte, aber noch lebende, Krankheitserreger) können gleichzeitig oder im Mindestabstand von 4 Wochen verabreicht werden.
Kontraindikationen
Kontraindikationen, d.h. Situationen, in denen nicht geimpft werden soll, sind klar umrissen:
- Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffes (z.B. Inhaltsstoffe wie Neomycin und Streptomycin oder Hühnereiweiß)
- Schwere bzw. chronische Erkrankungen
Impfungen sind allerdings in folgenden Fällen möglich:
- Einfache Infekte (mit leicht erhöhter Temperatur bis 38,5 Grad Celsius)
- Vorausgegangener Kontakt zu einer Person mit ansteckenden Krankheiten
- Anfallsleiden in der Familie
- Hauterkrankungen
- Frühgeburtlichkeit (Frühgeborene sollten entsprechend dem tatsächlichen Alter geimpft werden)
Erkrankungen
Keuchhusten (Pertussis)
Keuchhusten (Pertussis) beginnt zumeist wie eine Erkältung. Im weiteren Verlauf treten schwere Hustenanfälle auf, oft kommt es auch zu Atemnot und Erbrechen. In den ersten sechs Lebensmonaten kann der typische Husten ausbleiben, statt dessen droht Atemstillstand. Die Rate schwerwiegender Komplikationen im Kindesalter ist hoch, insbesondere Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und bleibende Gehirnschäden können auftreten.
Ausführlichere Information: Kinderärzte im Netz
Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine Viruskrankheit, die zu Lähmungen der Arme, Beine aber auch der Atmung und damit zum Tod durch Ersticken führen kann. Die meisten Kranken mit Lähmungen behalten Restschäden und sind damit lebenslang behindert. Die Schutzimpfung gegen Kinderlähmung wird seit Anfang 1998 nicht mehr als Schluckimpfung durchgeführt, sondern mit einem Impfstoff aus abgetöteten Polioviren (Todimpfstoff). Die Kinderlähmung kommt in Deutschland nicht mehr vor. Es besteht jedoch weiter eine Infektionsgefahr durch eingeschleppte Erkrankungen. Das Ziel der WHO, das Poliovirus auszurotten, ist nur durch eine hohe Durchimpfrate (> 95 %) der Bevölkerung zu sichern.
Ausführlichere Information: Kinderärzte im Netz
Diphtherie
Diphtherie ist eine durch das Gift (Toxine) des Diphtheriebakteriums hervorgerufene lebensbedrohende Krankheit, die vorwiegend durch Tröpfcheninfektion mit der Atemluft übertragen wird. Vor Einführung der Impfung war die als Rachen-, Kehlkopf-, Nasen- und Wunddiphtherie auftretende Infektion eine der gefürchtetsten Erkrankungen im Kindesalter, aber auch im Erwachsenenalter, an der viele verstarben oder einen Herzmuskelschaden erlitten. Eine hohe Impfbeteiligung hat die Diphtherie in Deutschland bis auf wenige Erkrankungen zurückgedrängt. Da Diphtherie jedoch weltweit weiterhin auftritt, ist die Gefahr der Einschleppung in unser Land jederzeit gegeben.
Ausführlichere Information: Kinderärzte im Netz
Masern
Masern sind eine häufig schwer verlaufende Krankheit, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie geht mit hohem Fieber, Husten, Bindehautentzündung und einem typischen Hautausschlag (Exanthem) einher; die Erkrankung dauert etwa zwei Wochen. Häufig treten als Komplikationen Lungenentzündungen sowie Mittelohrentzündungen auf. Bei etwa einem von 1000 bis 2000 Masernkranken tritt eine Hirnentzündung (Enzephalitis) auf, die in Einzelfällen zu bleibender geistiger und körperlicher Behinderung führen kann. Erwachsene sind durch Masern besonders gefährdet, bei ihnen treten diese Komplikationen gehäuft auf.
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Mumps
Mumps ist eine Viruserkrankung, die mit Fieber, Kopfschmerzen und einer Schwellung der Speicheldrüsen ("Ziegenpeter") einhergeht. Bei zumindest jedem zehnten Mumpskranken tritt zusätzlich eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) und gelegentlich des Gehirns (Enzephalitis) auf. Eine zwar seltene, aber typische Komplikation des Mumps ist ein Hörverlust. Bei jedem vierten jugendlichen oder erwachsenen Mann tritt eine Schwellung und Entzündung der Hoden auf, die selten auch zur Unfruchtbarkeit führen kann.
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Röteln
Röteln sind eine meist leicht verlaufende Viruserkrankung, die mit Fieber, Hautausschlag (Exanthem) und Lymphknotenschwellungen einhergeht. Treten Röteln während der Schwangerschaft auf, so kann die Infektion auf das Kind im Mutterleib übergehen und insbesondere Missbildungen an Auge, Ohr, am Herzen sowie im Gehirn verursachen. Nicht selten verläuft die Infektion mit Rötelnvirus jedoch ohne Krankheitserscheinungen; auch diese Menschen sind für ihre Umgebung ansteckungsfähig.
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Varizellen (Windpocken)
Windpocken sind eine sehr ansteckende Infektionserkrankung. Die Inkubationszeit beträgt 14 bis 21 Tage, wobei eine Ansteckung anderer Kinder bereits 1-2 Tage vor dem Hautausschlag möglich ist. Neben dem typischen, oft stark juckenden Hautausschlag, kann es zu Fieber und schwerem Krankheitsgefühl kommen. Als besondere Komplikationen neben bakteriellen Infektionen der Haut, der Lunge und der Gelenke sind Entzündung des Kleinhirns (Gangunsicherheit) oder des Großhirns (Enzephalitis) zu erwähnen. Besonders bei Kindern mit einem eingeschränkten Immunsystem können Windpocken gefährlich verlaufen.
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Die Hepatitis B
Die Hepatitis B ist eine Leberentzündung (Gelbsucht), die durch Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) hervorgerufen wird. Die übertragung dieses Virus erfolgt durch Blut oder Körperflüssigkeiten eines infizierten Menschen (z.B. beim Geschlechtsverkehr).
Die Hepatitis B beginnt mit übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, danach kann es zu einer Gelbsucht kommen. Etwa 1 Prozent der Erkrankten verstirbt, bei etwa 10 Prozent wird die Erkrankung chronisch, bei ihnen verbleibt das Virus im Körper.
Das Hepatitis-B-Virus kann auch, ohne dass Anzeichen einer Erkrankung bestehen, zu einer chronischen Infektion eines Menschen führen. Chronisch Infizierte sind eine Infektionsquelle für ihre Umgebung. In Deutschland sind etwa 0,7 bis 1 Prozent der Bevölkerung mit HBV chronisch infiziert, in anderen Ländern - z.B. in afrikanischen und asiatischen Ländern - ist die Häufigkeit chronisch Infizierter wesentlich höher.
Eine spezifische Behandlung der Hepatitis B ist nicht verfügbar, und Antibiotika sind nicht wirksam. Der einzige Schutz vor einer Hepatitis B besteht in einer rechtzeitig durchgeführten Schutzimpfung.
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Infektionen durch Hämophilus influenzae Typ b (Hib)
Durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) hervorgerufene Erkrankungen gehören zu den schwersten bakteriellen Infektionskrankheiten im Kleinkindesalter. Gefürchtet sind insbesondere die Hirnhautentzündung und die mit Atemnot und Erstickungsanfällen verbundene Schleimhautentzündung des Kehldeckels und des Kehlkopfeingangs (Epiglottitis). Meist treten diese Erkrankungen zwischen dem 5. Lebensmonat und dem 3. Lebensjahr auf.
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Pneumokokken
Pneumokokken sind Bakterien, die Infektionen im Ohr sowie der oberen und unteren Luftwege, aber auch schwer verlaufende Erkrankungen wie eitrige Hirnhautentzündung und Blutvergiftung hervorrufen können. Obwohl Pneumokokken-Erkrankungen antibiotisch behandelt werden können, sind kranheitsbedingte Spätfolgen nicht immer auszuschließen. Durch Impfung können ein ca. 3/4 der schweren Krankheitsfälle verhindert werden.
Zeckenschutzimpfung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Die FSME wird durch ein Virus verursacht, welches durch Zecken übertragen wird (nur 1 von mind. 600 Zeckenstichen führt zu einer Erkrankung). Eine Impfung sollte nur in einem Risikogebiet durchgeführt werden, wobei Nürnberg und Umgebung mittlerweile dazu zählen. Die meisten Erkrankungen verlaufen harmlos. In ca. 3 bis 5% der erkrankten Kleinkinder bzw. ca. 20% der erkrankten Jugendlichen und Erwachsenen kommt es allerdings zu einer Gehirnbeteiligung (mit Enzephalitis und Nervenlähmungen als möglichen Komplikationen). Durch die Impfung kann ein zuverlässiger Impfschutz erreicht werden, allerdings stellt eine bekannte Hühnereiweissallergie eine Kontraindikation dar.
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Influenza (Grippe)
Die echte Grippe ist eine Virusinfektion, welche ähnlich einer sehr starken Erkältung verläuft. Kindern, Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhter Gesundheitsgefährdung infolge eines Grundleidens sollten geimpft werden. Die Impfung sollte jährlich im Herbst durchgeführt werden.
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